Parken als soziale Infrastruktur: Wer bekommt den Platz?
Parken als soziale Infrastruktur: Wer bekommt den Platz?
Wer bekommt den Parkplatz? Wenn Parken Teil sozialer Infrastruktur wird.
Thomas Doppler3 Minuten Lesezeit
Parkraum ist in vielen Städten knapp. Und meist gilt ein einfaches Prinzip: Wer zuerst einen freien Parkplatz findet oder bereit ist, dafür zu bezahlen, kann ihn nutzen. Doch je knapper der verfügbare Raum wird, desto wichtiger wird eine andere Frage: Reicht dieses Prinzip auch in Zukunft noch aus?
Einige Städte beginnen bereits, Parkraum nicht nur nach Verfügbarkeit zu betrachten, sondern stärker danach, wer ihn tatsächlich braucht. Damit verändert sich auch die Rolle des Parkens: Es geht nicht mehr nur darum, möglichst viele Fahrzeuge unterzubringen, sondern unterschiedliche Bedürfnisse besser zu berücksichtigen.
Amsterdam denkt genau in diese Richtung. „Wir überlegen, wem wir helfen sollten, einen Parkplatz zu sichern“, sagt Willem van Heijningen, Stratege in der Abteilung für Mobilität und öffentlichen Raum der Stadt Amsterdam. „Frauen und Menschen mit Behinderungen haben spezifische Bedürfnisse, und wir müssen herausfinden, wie wir ihnen sichere, komfortable und barrierefreie Parkmöglichkeiten bieten können. Dasselbe gilt für Lehrkräfte und Beschäftigte im Gesundheitswesen: Sie haben weniger Zugang zu Wohnraum in der Stadt, aber wir wollen sie trotzdem hier haben.“
Das Problem mit „Wer zuerst kommt, parkt zuerst“
Der Raum in einer wachsenden Stadt ist begrenzt und wird immer knapper. Baustellen, Begrünung und die Energiewende beanspruchen ihn gleichermaßen. Wenn tatsächlich nicht genug Parkraum für alle vorhanden ist, stellt sich deshalb zunehmend die Frage, wie dieser sinnvoll genutzt werden kann.
Eine Pflegekraft oder eine Lehrperson, die außerhalb der Stadt wohnt, muss möglicherweise früh am Morgen oder spät am Abend zur Arbeit fahren. Wenn eine verlässliche Parkmöglichkeit fehlt, wird ein ohnehin anspruchsvoller Arbeitsweg zusätzlich erschwert. Für Menschen mit Behinderungen wiederum reicht es nicht, dass irgendwo ein Stellplatz frei ist. Entscheidend ist, dass er gut erreichbar, nahe gelegen und tatsächlich barrierefrei ist. Auch nach einer Veranstaltung kann es einen Unterschied machen, ob das Fahrzeug in unmittelbarer Nähe, an einem gut beleuchteten Ort oder weit entfernt abgestellt ist.
Solche Anforderungen sind keine Ausnahmefälle. Sie zeigen vielmehr, dass ein Parkplatz je nach Person eine sehr unterschiedliche Bedeutung haben kann. Für manche zählt vor allem die Verfügbarkeit, für andere zusätzlich die Lage, die Erreichbarkeit oder das Gefühl von Sicherheit.
Von freien Stellplätzen zu passenden Stellplätze
Was diese Überlegungen praktisch umsetzbar macht, sind Parkdaten. Wenn eine Stadt Angebot und Nachfrage in Echtzeit gemeinsam betrachten kann, lässt sich Parkraum wesentlich gezielter steuern.
Nicht alle Besucherinnen und Besucher sind gleich unterwegs. Manche kommen früh, um vor einer Veranstaltung noch etwas Zeit vor Ort zu verbringen, andere treffen erst kurz vor Beginn ein. Manche sind mit der Familie unterwegs, andere benötigen einen barrierefreien Zugang oder einen besonders nahe gelegenen Stellplatz.
Werden diese Anforderungen mit dem tatsächlich verfügbaren Angebot zusammengeführt, können passende Zuordnungen entstehen: Menschen, die einen barrierefreien Parkplatz benötigen, werden zu einem geeigneten Stellplatz geführt; sichere und gut beleuchtete Bereiche können gezielt berücksichtigt werden; bestimmte Beschäftigtengruppen erhalten eine verlässliche Parkmöglichkeit in der Nähe.
Welche Regeln dabei gelten, entscheidet nicht die Technologie. Das tut die Stadt. Die Technologie hilft dabei, diese Entscheidungen im Alltag umzusetzen – Stellplatz für Stellplatz.
Eine Entscheidung, die Städte schon heute treffen können
Das ist keine Vision, für die überall erst neue Gesetze oder neue Hardware notwendig wären. Digitaler Zugang, Informationen zur aktuellen Verfügbarkeit und Parkleitsysteme, die gezielt zu einem bestimmten Stellplatz führen, gehören bereits heute zu modernen Mobility Hubs.
Der nächste Schritt besteht darin, diese Möglichkeiten nicht nur für betriebliche Ziele zu nutzen, sondern auch unterschiedliche Anforderungen stärker zu berücksichtigen.
Genau hier kann Technologie unterstützen. Mit dem Zone Management von SKIDATA können Städte festlegen, wer welche Stellplätze nutzen darf – beispielsweise über digitale Berechtigungen für Einwohner, Dienstleister oder bestimmte Beschäftigtengruppen. Zugangssteuerung und aktuelle Parkinformationen helfen gleichzeitig dabei, Menschen zum passenden Bereich zu führen – etwa wenn ein barrierefreier, nahe gelegener oder gut beleuchteter Stellplatz benötigt wird.
Die Stadt legt die Regeln fest; SKIDATA hilft dabei, sie in die Praxis umzusetzen.
Die Garage Singelgracht in Amsterdam zeigt, wie ein solches Modell aussehen kann: 800 Stellplätze, rund 80 % davon für Berechtigte reserviert, unterirdisch errichtet, damit der Straßenraum darüber wieder für Begrünung, Fußgänger und Fahrräder genutzt werden kann.
Das Ergebnis ist ein Parkangebot, das unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtigt und vorhandenen Raum gezielter nutzt. Parken beeinflusst schon heute, wie gut Menschen eine Stadt erreichen können. Die Chance besteht darin, diesen Zugang künftig bewusster zu gestalten und Parkraum dort verfügbar zu machen, wo er besonders gebraucht wird.
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